Ich schmähe.
Nicht, weil ich rechthaberisch bin.
Nicht, weil ich besser wäre.
Und schon gar nicht, weil ich „moralisch empört“ wäre –
dieses geschwollene Gefühl, das sich wie eine wärmende Jacke aus Meinung über das kalte Herz zieht.
Ich schmähe,
weil ich manchmal nicht anders kann,
als das Nicht-Erträgliche beim Namen zu nennen.
Nicht, um zu bessern.
Nicht, um zu überzeugen.
Sondern weil sich sonst ein Raum in mir schließt,
den ich offen halten muss,
um Mensch zu bleiben.
Die Schmähung ist keine Einladung.
Sie ist kein Gesprächsangebot.
Sie ist ein literarischer Balkenwurf,
ein Splitter aus meinem Seelenholz,
geschleudert gegen das,
was sich still und feige hinter Begriffen verbirgt.
Ich rede hier nicht mit der Welt.
Ich rede über sie.
Über ihre Sprechblasen,
über ihre aufgeschäumten Meinungsbäder,
über jene, die ihre Fäulnis so lange mit Parfüm besprühten,
bis sie sich selbst für einen Duft hielten.
Die Schmähung ist nicht gerecht.
Sie wägt nicht ab.
Sie sucht nicht das „Aber“ und nicht das „Verständnis“.
Sie ist keine Kurve – sie ist ein Riss.
Ein bewusster, bitterer, manchmal hässlicher Riss
durch das Tapetenmuster des gepflegten Einverständnisses.
Ich bin kein Ankläger.
Ich bin auch kein Opfer.
Ich bin – wie soll ich sagen –
ein Mensch mit Worten,
der manchmal zusehen muss,
wie andere ihre Menschlichkeit
unter Paragraphen, Parolen und Profilbildern begraben.
Und wenn ich dann schmähe,
dann nicht aus Hass,
sondern aus einem letzten Rest Achtung –
vor dem, was wir hätten sein können,
wenn wir uns nicht so oft selbst verraten hätten.