Die Sprache, die der Mensch spricht, ist nicht bloß ein Mittel der Mitteilung – sie ist ein Spiegel des Weltgefüges, das er sich erschafft. In ihr webt sich das Unsichtbare ein, das von dorther kommt, wo nicht Sprache, sondern Ursprung ist.
So kam mir einst der Gedanke – ein Gedanke, der wie durch eine Ritze in der Welt fiel –, dass „gott“ ein Adjektiv sein müsse. Nicht „göttlich“, das ist bereits verziert, überhöht, kirchlich feingeschliffen. Auch nicht „gottgleich“, das ist eine Zierformel der Hierarchie. Nein, schlicht: gott.
Ein Mensch kann gott sein. Ein Gedanke kann gott sein. Ein Moment, ein Blick, ein Lufthauch, ein stilles Innehalten – gott.
Nicht weil etwas Gott ist, sondern weil es die Beschaffenheit des Göttlichen trägt. Ohne Anspruch, ohne Stempel, sondern als Qualität.
Und ebenso, in spiegelverkehrter Unbedingtheit, kann etwas ungott sein. Nicht teuflisch, nicht böse – diese Begriffe sind längst von theologischer Sitte abgetragen worden. Ungott ist das, was leer ist von Zusammenhang, was sich selbst nicht meint, was sich entzieht, wo es sich geben müsste.
Ein Blick kann ungott sein. Ein Tun, das sich abschnürt vom übrigen Sein, ein Satz, der nicht wahrhaftig gemeint ist – ungott.
Diese Adjektivierung ist nicht bloß sprachliches Spiel. Sie ist ein karmatisches Ordnungsprinzip, das – einmal begriffen – den Schleier hebt zwischen dem, was Welt bedeutet, und dem, was Welt nur erscheint. Denn:
- Was gott ist, zieht Zusammenhang an. Es verknüpft, heilt, stellt her.
- Was ungott ist, verursacht Trennung. Es zersetzt, vereinzelt, vergisst.
In einer Szene – sagen wir: auf einem Bahnhof, bei Regen – kann ein Akt des Wartens gott sein. Derselbe Akt, vollzogen in innerer Abkehr, kann ungott sein. Der Unterschied liegt nicht im Tun, sondern im Wie des Seins.
Und das Karma, das folgt – nicht als Strafe, sondern als Resonanz – richtet sich nicht nach Taten, sondern nach der Beschaffenheit ihrer inneren Textur. Die Welt antwortet auf das Gottsein mit Ausweitung, auf das Ungottsein mit Schrumpfung.
Der Mensch, der dies erkennt, beginnt zu weben. Nicht mehr blindlings, sondern mit Bewusstsein für den Faden, der vom Einen zum Anderen läuft. Er beginnt, die Dinge nicht nur in Gut und Böse zu unterscheiden, sondern in gott und ungott.
Und dieser Unterschied ist feiner – und entscheidender.