Kategorie: Prosa
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Du weißt es schon?
Die Zeit des bloßen Wissens ist vorbei. „Du weißt es schon?“ ist eine knappe Gewissensansprache über Wahrheit, Wahl und den Punkt, an dem Ausweichen nicht mehr unschuldig ist.
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Bericht eines freien Menschen –nach dem Ausstieg aus der Erzählung des Weltgeschehens
Es war nicht der Lärm, der mich vertrieb, sondern seine Behauptung, notwendig zu sein. Zu lange hatte ich geglaubt, die Welt sei eine Abfolge zwingender Ereignisse, ein Strom, dessen Richtung durch etwas bestimmt werde, das größer sei als ich, älter und gewissermaßen mit einem Recht ausgestattet, mich mitzuführen. Ich hielt mich für einen Beteiligten, später…
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gott und ungott als Adjektive. Ein karmatisches Wirkprinzip.
Die Sprache, die der Mensch spricht, ist nicht bloß ein Mittel der Mitteilung – sie ist ein Spiegel des Weltgefüges, das er sich erschafft. In ihr webt sich das Unsichtbare ein, das von dorther kommt, wo nicht Sprache, sondern Ursprung ist. So kam mir einst der Gedanke – ein Gedanke, der wie durch eine Ritze…
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Zu bewahren
Es war an einem Frühherbsttag in der Wichgrafstraße: eine verblasste Kiste, ein schief geklebtes Schild — „Zu bewahren“ — und die Menschen, die vorübergingen, ohne zu wissen, was sie hinterließen.
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Schöpfwerk
Zwei junge Männer verlassen Schwedt und geraten am Schöpfwerk in eine Erfahrung, in der Ziegel atmen, Zahlen zu Konfigurationen werden und ein Käfer zum Zeugen wird. Ein Spaziergang durch Polder, Brücke und Gitter – zwischen Rausch und Klarheit, Herkunft und Beginn.
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Einvernehmlich erklärt
Zwischen Pflichtlektüre, Hausarbeiten und pädagogischen Simulationen entdeckt Lina etwas, das in keiner App, keiner Definition und keinem Bewertungssystem ganz erfasst wird: Ein Akt beginnt nicht mit der Handlung. Sondern mit der stillen Erlaubnis, da sein zu dürfen.
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Beischlaf im Einvernehmen
Britta und Henning treffen sich auf einem Sommerfest, irgendwo zwischen Blaskapelle und Bratwurst – und stolpern in eine Welt, in der Zärtlichkeit per App genehmigt wird. Was passiert, wenn Nähe am schlechten Empfang scheitert – und gerade deshalb echt wird?
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Schwarzer Glanz auf rosa Haut
Bakary verlässt sein westafrikanisches Dorf und landet in einer Brandenburger Schweinemast. Zwischen Gitter, Sprachkurs und einer Farbattacke beginnt etwas Unerwartetes: ein leiser Blick, der wäscht, was keine Maschine erreicht. Eine Erzählung über Würde, Missverstehen – und Nähe.