Über mich

Ich bin Jean-Peter Krüger-Fünfgeld.
Doch ich war noch keiner dieser Namen ganz.

Wenn ich mich vor Ihnen verneige – den Damen, den Herren, den dazwischen oder darüber –, so nicht aus Höflichkeit, sondern aus Schuld. Nicht einer persönlichen, verstehen Sie, sondern jener allgemeinen Schuld, die auf dem Menschen lastet, der sich einbildet, noch etwas zu sagen zu haben in einer Welt, die längst mit sich selbst zu Ende verhandelt hat.

Ich komme aus einer Stadt, die sich nicht entscheiden konnte, ob sie schon ruiniert oder noch gerettet sei. Dort, an der trüben Oder, wurde ich geboren – Schwedt, ein Ort, in dem selbst die Erinnerung nicht wohnen bleiben wollte. Ich verließ ihn nach zwanzig Jahren, wie man ein Haus verlässt, das man nie gemietet hat, und zog nach Potsdam, wo die Vergangenheit mit Marmorfrisuren in die Gegenwart hinübergreift. Dort, in einem Hochhaus über den Dächern des Sterns, schreibe ich nun.

Ich bin nicht Held, nicht Antiheld, vielleicht ein Stellvertreter. Für wen, das weiß ich nicht. Vielleicht für Sie.

Was ich habe, ist nicht viel. Ein Kind, das mich Vater nennt, und dem ich mein bestes Lächeln schulde. Eine Frau, die bleibt, wo andere längst gegangen wären. Und Worte. Viele Worte. Nicht die neuen, glänzenden, sondern jene mit Patina – Worte, die nach Schwarzbrot und Briefpapier schmecken.

Ich schreibe nicht, um verstanden zu werden. Ich schreibe, weil ich mich erinnern muss – an das, was nie geschah. Ich bin kein Schriftsteller. Ich bin ein Aufzeichner der Zwischenzeiten, ein Registrator des Verpassten, ein Jäger der Schatten, die das Licht vergaß.

Man hat mir gesagt, meine Gedanken seien zu schwer für die heutige Welt. Ich glaube, die Welt ist zu leicht.

Und so trete ich ein – nicht durch die Tür, sondern durch den Nebel – und nehme Platz. Neben Ihnen.
Wenn Sie mögen, hören Sie zu. Wenn nicht, macht es auch nichts. Ich bleibe dennoch.
Denn ich bin bereits da gewesen, bevor Sie kamen.

Jean-Peter Krüger-Fünfgeld